Vielleicht bist du längst bereit - Warum viele Frauen den nächsten Karriereschritt trotzdem nicht machen

Nächster Karriereschritt für erfahrene Frauen – Karriereberatung und Entscheidung im Beruf

 

Viele Frauen sind längst bereit für die nächste Position.
Sie glauben es nur selbst noch nicht.

 

Gerade Frauen mit viel Berufserfahrung stehen irgendwann vor der Frage, ob es Zeit für den nächsten Karriereschritt ist – und bleiben dennoch oft länger in ihrer Rolle, als es ihrer Erfahrung entsprechen würde.

 

In Gesprächen mit Frauen, die seit 10, 15 oder 20 Jahren im Berufsleben stehen, begegnet mir immer wieder dieselbe Situation:

  • Sie haben Kompetenz
  • Sie haben Erfahrung
  • Sie übernehmen Verantwortung

Und trotzdem sagen sie, wenn es um den nächsten Karriereschritt geht:

 

„Ich bin noch nicht bereit.“

 

Der Engpass liegt selten im Lebenslauf.
Er liegt häufig in der inneren Freigabe, den eigenen Platz wirklich einzunehmen.

 

Dabei geht es nicht um mangelnde Fähigkeiten oder fehlende Qualifikation. Es geht um Dynamiken, die besonders viele leistungsstarke Frauen betreffen. Viele dieser Dynamiken entstehen nicht nur individuell. Sie sind auch geprägt durch Rollenbilder, die über viele Jahre selbstverständlich geworden sind.

 

In meiner Arbeit zeigen sich dabei immer wieder ähnliche Muster. Einige der häufigsten sind diese:

 

Warum viele erfahrene Frauen mit dem nächsten Karriereschritt zögern

Die Gründe dafür sind nicht immer auf den ersten Blick sichtbar. Sie haben weniger mit Kompetenz zu tun als mit Erwartungen im Berufsleben, persönlicher Haltung und beruflicher Erfahrung. 

 

Veraltete Vorstellungen davon, wie Führung aussieht

Viele Frauen vergleichen sich mit einem Führungsbild, das stark von Dominanz geprägt ist. Diese Vorstellungen entstehen nicht einfach so in einem luftleeren Raum. Sie sind Teil einer Kultur, in der Rollenbilder über viele Jahre geprägt wurden - in Familien,

in Organisationen und auch in gesellschaftlichen Erwartungen. 

 

So entsteht für viele Frauen ein Spannungsfeld zwischen professioneller Verantwortung, Loyalität und traditionellen Erwartungen. Wenn sie sich in diesen Bildern nicht wiederfinden, entsteht schnell der Eindruck:

 

„So bin ich nicht.“

 

Dabei verändert sich Führung gerade. Kooperation, Kommunikationsfähigkeit und Verantwortungsbewusstsein gewinnen zunehmend an Bedeutung. Viele der Qualitäten, die Frauen häufig mitbringen, sind deshalb längst zentrale Leadership-Kompetenzen - auch wenn sie lange nicht so wahrgenommen wurden.

 

Mehr dazu findest du auch hier:
Die Zukunft der Arbeitswelt

Frau sein 2020 – die Entdeckung der neuen Weiblichkeit

 

Der Wunsch, erst vollständig bereit zu sein

Ein weiterer häufiger Mechanismus:
Frauen warten darauf, sich zu 100 % bereit zu fühlen.

 

Im Berufsalltag zeigt sich jedoch, dass dieses Gefühl vollkommener Sicherheit selten eintritt.

Karriereentwicklung entsteht meist aus der Entscheidung:

 

„Ich kann das lernen.“

 

Mehr dazu beschreibe ich auch im Artikel:

Design your Career 2025 – warum Frauen ihre Karriere jetzt neu gestalten sollten

Loyalität gegenüber dem Team

Viele Frauen haben im Arbeitsalltag eine zentrale Rolle.

  • Sie koordinieren Abläufe
  • Sie sorgen dafür, dass Dinge funktionieren
  • Sie halten Teams und Prozesse zusammen

Gerade diese Stärke führt manchmal dazu, dass sie zögern, den nächsten Schritt zu gehen. Der Gedanke lautet dann:

 

„Wenn ich mich weiterentwickle, lasse ich mein Team im Stich.“

 

Paradoxerweise sind aber genau diese Eigenschaften - Verantwortungsgefühl, Überblick und Verlässlichkeit - klassische Leadership-Qualitäten.

 

Kompetenz ist vorhanden – aber nicht strategisch sichtbar

In vielen Gesprächen zeigt sich ein ähnliches Muster: Der Fokus liegt stark auf der eigenen Arbeit.

  • Frauen liefern Qualität
  • Sie übernehmen Verantwortung
  • Sie lösen Probleme

Was dabei häufig zu kurz kommt, ist die strategische Sichtbarkeit der eigenen Kompetenz.

Doch genau diese entscheidet oft darüber, wie jemand wahrgenommen wird.

 

Mehr dazu findest du hier:

Warum Bewerbungen heute anders funktionieren

 

Fachliche Kompetenz ist selten das eigentliche Problem. Entscheidend ist vielmehr, wie diese Kompetenz sichtbar wird und wie sie eingeordnet wird. Gerade sogenannte „Soft Skills“ – Kommunikation, Verantwortungsübernahme oder strategisches Denken – spielen in Auswahlprozessen eine größere Rolle, als viele vermuten.

 

Mehr dazu habe ich hier beschrieben:
Welche Kompetenzen wirklich über beruflichen Erfolg entscheiden

 

Die eigene Leistung wird als selbstverständlich gesehen

Auffällig ist auch, wie zurückhaltend Leistungen häufig formuliert werden.

 

Typische Formulierungen sind:

 

·        „Ich habe unterstützt …“

·        „Ich war beteiligt an …“

·        „Ich habe mitgearbeitet …“

 

Dabei haben sie in Wirklichkeit:

 

·        Prozesse gestaltet

·        Projekte strukturiert

·        Verantwortung übernommen

 

Mehr dazu auch hier:
Das Geheimnis einer erfolgreichen Bewerbung

 

Die Spielregeln von Auswahlprozessen sind oft nicht transparent

Viele Frauen gehen davon aus, dass gute Arbeit automatisch gesehen wird.

 

In der Realität spielen jedoch weitere Faktoren eine Rolle:

  • Klarheit über die eigene Rolle
  • Strategische Kommunikation
  • Präsenz im Gespräch
  • Netzwerk und Mentor:innen

Andere typische Stolpersteine habe ich hier beschrieben:

Die größten Stolpersteine im Bewerbungsprozess

Wann ist der richtige Zeitpunkt für den nächsten Karriereschritt?

Der richtige Zeitpunkt fühlt sich selten eindeutig an.

Oft entsteht er aus einer Kombination aus:

  • Erfahrung
  • Verantwortung
  • dem Wunsch, mehr Gestaltung zu übernehmen
  • äußeren Triggern 

Oft zeigt sich erst mit der Zeit, dass viele Frauen bereits auf einem höheren Niveau arbeiten, als es ihre aktuelle Rolle eigentlich vorsieht.

 

Woran du erkennst, dass du bereit für den nächsten Karriereschritt bist

Hinweise können sein:

 

·        du übernimmst bereits mehr Verantwortung als deine Rolle vorsieht

·        Kolleg:innen holen regelmäßig deinen Rat ein

·        du gestaltest Prozesse statt nur Aufgaben umzusetzen

·        du denkst zunehmend strategisch über Abläufe nach.

 

Oft ist das kein Zeichen von Überforderung – sondern von gewachsener Kompetenz.

 

Selbstbewusstsein entsteht oft durch Erfahrung

Selbstbewusstsein wird häufig als rein innerer Prozess verstanden.

In der Praxis entsteht es jedoch oft durch Handlung und Erfahrung.

 

Mehr dazu auch hier:
Leading Ladies – 6 Bausteine für weibliches Selbstbewusstsein

Wie du Klarheit über deinen nächsten Karriereschritt bekommst

Viele Frauen warten lange auf das Gefühl:

 

„Jetzt bin ich bereit.“

Die entscheidendere Frage ist aber:

 

Was wäre möglich, wenn du dich schon heute als bereit betrachten würdest?

 

Vielleicht liegt der Unterschied nicht darin, noch mehr Erfahrung zu sammeln oder noch besser vorbereitet zu sein.

 

Manchmal beginnt Veränderung mit einem anderen Blick auf das, was bereits da ist:

  • auf die eigene Erfahrung,
  • die Verantwortung, die man längst trägt,
  • den Beitrag, den man täglich leistet
  • und mit dem Gedanken:

Vielleicht bin ich längst bereit.

 

Wenn du gerade an einem Punkt stehst, an dem du über deinen nächsten Karriereschritt nachdenkst, kann ein strategischer Blick von außen hilfreich sein. Im Karriereentscheidungsgespräch schauen wir gemeinsam auf:

 

·        deine aktuelle Rolle

·        deine tatsächliche Kompetenz

·        mögliche nächste Schritte

 

Oft entsteht genau in diesem Gespräch die Klarheit, die vorher gefehlt hat.

 

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